Der Bauer geht, der König bleibt – vorerst

Juni 27, 2011 § 3 Kommentare

Erstens geht es schneller, und zweitens als man denkt.

Da erhielt ich doch am Wochenende diese nette Datei: IFPI Steuerbetrug Addendum June 2011. Zunächst dachte ich mir: „Ach, Muttchen, das Wetter ist schön, die Welt gemein, also geh ich in den Rhein schwimmen.“

Heute morgen jedoch, als ich mit der üblichen Mischung zwischen Ekel und Faszination „20 Minuten“ las, sprang mir eine klitzekleine Meldung ins Auge: Beat Högger, seines Zeichens IFPI-Geschäftsführer, sei wegen seiner Verquickung mit einer anderen Firma zurückgetreten.

Was so euphemistisch daherkommt, hat es in sich.

Ich rekapituliere: Im Sommer 2009 bereiteten IFPI-Boss Ivo Sacchi und IFPI-Geschäftsführer Beat Högger das Feld, um einen grossangelegten Steuerbetrug zu begehen. Darüber berichtete die Aargauer Zeitung. Prompt wurde der Artikel auf Druck von Sacchi und Konsorten entfernt – inzwischen ist er wieder online.

Doch Högger hatte einiges auf dem Kerbholz: So trat er, der Vertreter der Musikindustrie, als Musikpirat in Erscheinung, und zudem begann die Wettbewerbskommission eine Untersuchung wegen diverser marktmanipulativer Tätigkeiten.

Das oben verlinkte Dokument zeigt – wenngleich in verschwurbelter Sprache und nicht eben lesefreundlich – dass Högger sogar noch weiter ging: Das Ausarbeiten des von der Wettbewerbskommission untersuchten Hitparadenreglementes hat er ebenso an seine private Firma delegiert wie weitere Arbeiten, deren Nutzniesser am Ende vor allem eine Major-Firma im Musik-Business war: Universal. Deren Chef wiederum ist Ivo Sacchi, der zugleich IFPI-Boss ist.

Ich rekapituliere nochmals: IFPI-Högger und IFPI-Sacchi postulieren, dass der IFPI-Vorstand zum Aufgleisen eines Steuerbetruges „Ja“ sagt. Högger muss gewusst haben, was er tat. Sacchi immerhin könnte sich rausreden, dass er das Ganze nicht verstanden habe. Weshalb aber fragte er nicht nach sondern forcierte die Steuerbetrugs-Lösung? Und: Wenn Högger wettbewerbsrelevante Tätigkeiten in eine andere Firma verschiebt und hauptsächlicher Nutzniesser davon Sacchi mit seiner „Universal“ ist: Wie will uns Sacchi weismachen, dass er davon nichts gewusst habe? Wäre dem so, dann wäre er auch am falschen Platz. CDs eintüten statt als CEO wüten würde dann eher seiner Qualifikation entsprechen. Also muss man davon ausgehen: Sacchi wusste genau, was bei der IFPI los ist. Als jedoch immer mehr Fakten nach Aussen bröselten, entschloss er sich zu einem Bauernopfer und liess Högger über die Klinge springen. Damit darf Högger nun jene Medizin kosten, die er „Piratinnen und Piraten“ jeweilen zukommen liess.

Ivo Sacchi, König der Bauernopfer.

Für die steuer- und zivilrechtlich relevanten Verfehlungen innerhalb der IFPI ist, unterm Strich, Sacchi verantwortlich. Der Dauergrinser mit dem Ruf des Womanizers wird nun wohl versuchen, möglichst lange weitere Bauernopfer zu finden, immer in der Hoffnung, dadurch seinen – beruflichen – Kopf zu retten.

Ein anderer Leser unseres Blogs hat hierzu eine Insider-Information geliefert: So soll Sacchi zusammen mit einigen Stars, die bei seinem Label unter Vertrag stehen, Gagensteuersparmodelle verwirklicht haben, die ihm – sollte dies im Ausland und dort en détail bekannt werden – mächtig Ärger einbringen könnten.

Nun, dafür gibt es gegenwärtig zwar noch keine schriftlichen Beweise, aber zahlreiche Indizien. Und wer uns mit den entsprechenden Fakten alimentieren möchte: Ein Kommentar genügt, und wir werden dieses Material gerne veröffentlichen.

Advertisements

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort Universal auf zuerifluestern.