Das grosse „Aua“ ohne Spuren

Januar 26, 2011 § Ein Kommentar

Nachdem in den vorhergegangenen Post schon so einiges über die Merkwürdigkeiten in Fehrs Schilderungen geschrieben wurde, stellt sich die Frage: Wie genau ging die Prügelei nun über die Bühne?

Schauen wir doch nochmal, wie Hans Fehr es beschreibt. Einmal soll es sich so zugetragen haben:

Ich war schon fast an den Autonomen vorbei, als ich jemanden rufen hörte

Das erweckt den Eindruck, als sei er an den Leuten vorbeigegangen, und in letzter Sekunde hätten Sie ihn attackiert. Da tönt seine nächste Version schon ein wenig anders:

«Plötzlich sehe ich eine Wand schwarz gekleideter Figuren vor mir.»

Aha. Er ist also nicht an ihnen vorbeigegangen, sondern ging ihnen entgegen. Aus dem Nichts tauchten sie quasi vor ihm auf und prügelten auf ihn ein. Alles klar? Oder doch nicht? Denn:

«Ich ging links an denen vorbei, sie standen rechts auf der anderen Strassenseite.»

Wo ist plötzlich die schwarze Wand?

Sie standen also auf der anderen Strassenseite, er ging – wie schon zuvor ausgeführt – im Dunkeln, mit dunklem Mantel, sie erkannten ihn trotzdem, trotz der Demo, an der sie ja teilnahmen, rannten über die Strasse, standen unvermittelt als schwarze Wand vor ihm, attackierten ihn in letzter Sekunde, als er schon an ihnen vorüber war? Man sieht: Das macht keinen Sinn.

Entweder: Sie standen vor ihm. Oder: Sie waren gegenüber. Oder: Er ging an ihnen vorbei. Herr Fehr sollte sich entscheiden.

Aber noch merkwürdiger wird es, wenn man die Schilderungen hört, wie sie auf ihn eingeprügelt haben sollen.

Sie haben mich zu Boden gerissen und auf mich eingeschlagen.

In diesem Fall beschreibt er, wie die Schlägerei vonstatten ging, als er schon beinahe an ihnen vorbei war. Sie attackierten ihn also von seitlich hinten. Rissen ihn zu Boden, müssen dann quasi auf die Knie gegangen sein, um auf ihn einzuschlagen. Das tönt dann doch etwas merkwürdig. Deshalb wird die nächste Variante etwas plausibler geschildert:

Es gingen drei oder vier Leute völlig unvermittelt auf mich los. Sie haben einfach auf mich eingeschlagen, mit Fäusten und Füssen.

Okay, das ist vorstellbar. Aber wohl zu wenig dramatisch. Zum Glück fragen Medien nicht nach, denn so konnte er seine nächste Version in die Mikrofone diktieren:

„Eine Gruppe Vermummter stürzte auf mich zu.“ Erst setzt es Faustschläge. Als er zu Boden geht, treten sie ihn mit Springerstiefeln. Auch gegen den Kopf. «Ein Mann zog mich von den Leuten weg, sagte, ‹Chömed Sie, chömed Sie›, ich dachte, er wollte mir helfen – da habe ich plötzlich noch eine verpasst gekriegt», so Fehr.

Nehmen wir also an, dass er zuerst mit Fäusten geschlagen wurde, zu Boden ging, Tritte gegen den Kopf erhielt, gegen die Brust, dann, als krönenden Abschluss, nochmal einen Faustschlag an den Kopf.

Nun muss ich klarstellen: Verprügelt zu werden ist nicht lustig. Und auch ich habe das schon erlebt: Drei Jungs, mitten auf dem Trottoir. Zwei Schläge ins Gesicht, ich wurde ohnmächtig, und am nächsten Tag sah ich aus, als sei ich im Laufschritt und Gesicht voran in die Wand gerannt.

Schauen wir uns mal Opfer solcher Prügelattacken an.

Der Mann auf dem nebenstehenden Bild ist Sigi Hrrmann. Er ist Ex-Radprofi, und ihm geschah Ähnliches wie Fehr: Fünf Burschen verprügelten ihn. Vier Faustschläge und einige Tritte, als er bereits am Boden lag. Die Spuren im Gesicht sind deutlich und sprechen eine klare Sprache. Die Diagnose, gestellt im Spital Feldkirch: ein blaues Auge, Hämatome, gebrochene Fingernägel, Prellungen an Kiefer und Kehlkopf.

Schauen wir uns den nächsten Fall an:

Hier sehen wir Heiner Schuck. Zwei Burschen schlugen ihn mit ihren Fäusten ins Gesicht. Die Auswirkungen sind klar zu sehen. Wohlgemerkt: Das Foto wurde zwei Tage nach der Prügelattacke aufgenommen. Schuck trug Hämatome davon, Schwellungen im Kopfbereich, er musste das Bett hüten.

Aber es gibt noch weitere Fälle, die ähnlich verliefen wie jener von Hans Fehr. Jenen von Kamil Gargoora. In der Pendler-Nicht-Zeitung „20 Minuten“ wird der Fall so geschildert: „Eigentlich wollte Kamil Gargoora am vorletzten Sonntag im Bahnhof nur schnell einen Kaffee trinken – doch er landete in der Notaufnahme des Permanence Medical Centers und ist mittlerweile arbeitsunfähig. Laut eigenen Angaben stand er beim Imbissstand am Gleis 7, als er plötzlich von Fans des FC Basel von hinten überrannt worden sei. «Als ich aufstand, schlug mir einer noch zweimal die Faust ins Gesicht.»“

Zwei Schläge ins Gesicht. Und wie sieht der Mann anschliessend aus? Man führe es sich zu Gemüte:

Das nennt man ein Veilchen. Wohlgemerkt: Zwei Schläge ins Gesicht, und der Mann ist deutlich gezeichnet, es wird ein mehrfacher Nasenbeinbruch diagnostiziert, ausserdem erblindet er beinahe auf dem linken Auge.

Schauen wir uns einen weiteren Fall an, diesmal aus Deutschland: Der junge Mann Steffen Wagner wurde von seinem Fahrrad gerissen und von sechs Männern, von denen fünf tätlich geworden seien, verprügelt. Namentlich hätten sie auch auf ihn eingetreten. Das Fazit dieser Schlägerei ist im Gesicht des Opfers klar zu sehen, auch nach einigen Tagen:

Sieht man sich diese Bilder an, wird klar: Faustschläge, Fusstritte, dies dann auch noch gegen den Kopf, sind keine Banalität. Sie haben meist ernsthafte Verletzungen zur Folge. Der berühmtberüchtigte Fall der „Goldküstenprügler“ zeigt, dass dies sogar als Tötungsversuch gewertet werden kann.

So gesehen ist es wahr: Was Hans Fehr widerfahren ist, ist keine Bagatelle: Schläge und Tritte gegen den Kopf, gegen den Körper, und als er sich endlich aufgerappelt hat wird er gleich nochmal geschlagen.

Das muss Spuren zurücklassen. Denn wenn selbst jüngere, zum teil gut trainierte Personen nach vergleichbaren Prügelattacken so aussehen wie auf den Bildern zuvor, muss auch Fehr happige Blessuren davongetragen haben.

Rekapitulieren wir: Schläge gegen den Kopf. Tritte gegen den Kopf. Als er am Boden liegt schützt er seinen Kopf mit den Armen, wird gegen den Körper getreten. Als er wieder steht, erhält er nochmals einen Schlag.

Und wie sieht Fehr aus, nachdem er sich dieser Prügelorgie unterziehen musste?

Minuten nach der Prügelei so:

Am nächsten Tag, nachdem er sich gewaschen hat, sieht man von der Schlägerei praktisch nichts mehr:

Fehr spricht von „satanischen Schmerzen“, die er auszuhalten habe. Aber zu sehen ist, abgesehen von einer Mini-Schramme, nichts. Keine Spur der Prügelorgie. Kein blaues Auge. Kein sichtbares Hämatom. Nichts.

Super-Hans oder Hans von Münchhausen?

In den folgenden Posts werde ich es mir in den nächsten Tagen erlauben, einige weitere Ungereimtheiten zur Sprache zu bringen. Denn: Entweder sind die Schurnis der Schweizer Medien einfach gutgläubig. Oder sie sind dumm. Oder sie sind keine Schurnis. Denn jede einzelne der bisher aufgeworfenen Fragen hätten Fehr bei seinen zahllosen Interviews seit der „Schlägerei“ gestellt werden sollen. Und niemand hats getan. Shame on you.

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