Die Schreibhuren

Januar 29, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

In den 80er-Jahren, unter Peter Übersax, positionierte sich die Tageszeitung „Blick“ irgendwo zwischen Hobby-Porno-Postille und empörter „Nationaler Aktion“. Auf sagenhafte beinahe 400’000 schraubte „Blick“ seine Auflage unter Übersax hoch. Der das prompt als Erfolg seiner rechtspopulistischen Blattausrichtung interpretierte und den Erfolg des „Bingo“-Spiels ausblendete.
Tamilen waren unter Übersax Freiwild, und wenn dann mal einer von Rechtsradikalen verprügelt wurde, wusch er seine Hände natürlich und selbstverständlich in publizistischer Unschuld.
Das erinnert doch an eine gewisse Partei. Genau, jene, die einen Mörgeli in den eigenen Reihen hat. Und dieser Mörgeli hat sich mal einen hübschen Freudschen geleistet, als er im Club vor einigen Jahren meinte: „Wenn wir erst die Macht übernommen, äh, bei den Wahlen gewonnen haben…“
Diese Partei hat auch einen Fehr, jenen Mann eben, der sich als Wahlkampfleiter mal kurz einen Überfall herbeifantasiert. Dass die Medien darauf aufspringen, liegt auf der Hand. Was aber „Blick Online“ daraus macht, erinnert an die düsteren übersax’schen Zeiten: Der erfundene Überfall wird zum Anlass genommen, um mit einer beispiellosen Hysterie publizistisch auf alles zu schiessen, was links der SVP steht.
Den Auftakt machte der stellvertretende Chefredaktor von blick.ch, Marcel Zulauf. In Fehrscher Manier lügt er munter drauf los. Oder – und das wäre noch schlimmer – er ist mit purer Ahnungslosigkeit geschlagen. Vielleicht ist es aber ja genau das, was ihn zum Chef-Stv qualifiziert…
Nachdem jedenfalls in einem WEF-Hotel in Davos ein Knallkörper losgeht, erschrickt er sich ganz schrecklich und meint: „Bisher musste der Tagungsort nicht hermetisch abgeriegelt werden.“ Aha? „Am Samstag soll ganz Davos vollkommen abgeriegelt werden“, schrieb der „Tages-Anzeiger“ schon 2001.
Zulauf sieht Unsicherheit am Horizont aufziehen, linke Extremisten allüberall, und das steht natürlich in direktem Zusammenhang mit der „Attacke“ auf Hans Fehr.
Dass Zulauf dann auch noch Zucker in einem Heizöltank entdeckt, obwohl das bis heute ungesicherte Gerüchte sind – egal. Journalistisches Handwerk ist für die anderen gedacht. Ein Zulauf braucht das nicht.
Dafür kann er hausintern ein wenig weiterhetzen, und tags darauf schreibt folglich Natascha Eichholz (sie hat sich bisher mit harmlosen Werbetextli im Journalistenkleid hervorgetan) über die Linksextremisten: „Am Morgen die Explosion in Davos. Am Abend der Bahnhof Basel als Ziel.“ Aha. Linksextremisten griffen also den Bahnhof Basel an! Haben sie ihn in die Luft gesprengt? Geiseln genommen? Ihn dem Erdboden gleich gemacht?
Nein, viel schlimmer. Zunächst – die blick.ch Leser sind schliesslich dumm – erklärt sie noch einmal, was in Davos geschehen ist: „Gestern Morgen sorgt eine Explosion in Davos für Angst und Schrecken.“
Genau! Angst! Schrecken! Tote! Terroristen! Umsturz!
Und die Fortsetzung? „Gestern Abend nahmen Linksextreme den Basler Hauptbahnhof ein.“ Also schon wieder: Geiseln! Mord! Totschlag!
Oder etwa doch nicht? Au ja, die semi-terroristische Handlung war, dass Demonstranten am Bahnhof ein Transparent anbrachten.
Angesichts solcher journalistischer Inkompetenz kann man im besten Fall den Kopf schütteln. Im schlimmsten Fall muss man annehmen, dass sich hier ein paar Leute aus ideologischen Gründen gleich selber zur Schreibhure degradieren. Man darf sich aussuchen, was besser passt.

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