Ein Herr mit vielen Meistern

Dezember 14, 2011 § Ein Kommentar

Ich gestehe: Da hab ich ein paar wesentliche Details übersehen.

Die Rede ist von Adriano Pietro Viganòs Rolle. So schrieb ich:

„Vigano ist auch Rechtsanwalt der „Safe“, der „ Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie“. Wenn er bis dato noch nie etwas von Scagliola, Boog und Berresheim gehört hat, ist er offensichtlich im falschen Job. Kommt dazu, dass Berresheim auch bei der MPAA, der zuvor erwähnten Motion Picture Association of America, kein unbeschriebenes Blatt ist. Wer vertritt die MPAA in der Schweiz? Vigano. In Deutschland, England, Holland, ja selbst in den USA bemerkten Pirateriebekämpfer, dass altbekannte Feinde der Musikindustrie nun plötzlich im Anlagebetrug mitmischten. Alle bemerkten dies – nur Vigano nicht? Das ist nicht nur merkwürdig, das ist im höchsten Grad absurd. Es sei denn, man wollte die eigenen Kollegen aus der Musikindustrie nicht diskreditieren.“

Doch Leser „M“ stieß mich mit der Nase auf die Fakten, indem er schrieb:


„Micky Michael Lothar Berresheim immer dabei, wenn es was zu mauscheln gibt. Aber der RA Adriaono Vigano erstaunt schon mächtig. Der sollte 2007 noch in den Verwaltungsrat der maroden NicStic gewählt werden.“

Grund genug, die Rolle Viganòs ein wenig genauer zu beleuchten:

Er ist also Rechtsanwalt, Urheberrechtsexperte und als solcher für die „SAFE“ und die „MPAA“ tätig, arbeitet für die „IFPI“ und die „Swissperform“ und schreibt folgerichtig auf der Homepage seiner Kanzlei: „Adriano Viganò berät und vertritt Unternehmer und Unternehmen sowie Einzelpersonen in den Bereichen Wirtschafts- und Vertragsrecht sowie zahlreiche Klienten aus der Unterhaltungs-, Kultur-, Medienindustrie und dem Verlagswesen.“

Kein kleiner Fisch also und mit profunden Kenntnissen der Film- und Schallplatten-Piraterieszene ausgestattet.

Und Viganò hat nicht nur nicht bemerkt, dass seine Kumpels in einen riesigen Anlagebetrug involviert waren. Im Gegenteil: Er arbeitete sogar für einen der Hauptprotagonisten, Pius Boog, der im Musikbusiness auf eine bewegte Vergangenheit in Sachen Schallplatten-Piraterie zurückblicken kann.

Bevor es nun kompliziert wird einige Fakten aus dem Schweizerischen Firmenregister:

Zwei „ThoCon“-Firmen wurden im Kanton Zug aus der Taufe gehoben:

– die „ThoCon Music & Media Production AG“ wurde am 06.03.2006 gegründet und am 23.03.2007 zu „Nicculto AG“ umbenannt. Fortan sollte sie nicht mehr im Musikbusiness tätig sein sondern im „Erwerb und Vermarktung von gewerblichen Schutzrechten, insbesondere auf dem Gebiet einer rauchlosen Zigarette“. Das tönt nach Zuarbeit für die „NicStic AG“. Im September 2010 wurde die Firma dann in „Ultimate Seed AG“ umbenannt und schließlich aufgelöst.

– Die eigentliche „ThoCon AG“ war als Dienstleister „im Bereich Marketing und Vertrieb“ konzipiert, gegründet am 04.03.2005. Ihr einziges Kapital: 100’000 – wertlose – Inhaberaktien der „NicStic AG“, die aber wacker mit 300’000 Franken bewertet wurden. Die „ThoConAG“ residierte zudem an derselben Adresse wie die „NicStic AG“.

Für diese Firma „ThoCon AG“ wurde die Marke NICCULTO registriert – unter anderem für tabakfreie Zigaretten, wie sie die „NicStic AG“ herstellen wollte. Registriert wurde die Marke von Viganò. Daneben registrierte er für die „ThoCon AG“ noch zahlreiche weitere Marken. Kurzum: Er arbeitete also tatsächlich direkt für die „NicStic“-Betrügerbande. Diese Zusammenarbeit hält bis heute an. Und hinter der „ThoCon AG“ wiederum stecken Pius Boog und NicStic-Entwickler und Mitgründer Thomas Hoffmann.

Wie erwähnt: Viganòs Kunde Pius Boog hat eine Vergangenheit als Schallplatten-Pirat wie auch als Anlagebetrüger. Folgerichtig erließ die Bankenkommission EBK am 30. August 2007 auch eine Verfügungen gegen ihn.

Das alles scheint Viganò nicht zu kümmern. Nach wie vor arbeitet er für IFPI und MPAA, Safe und Swissperfom – und lässt sich gleichzeitig von einem aktenkundigen Musikpiraten bezahlen. Landläufig würde man so etwas „Interessenkonflikt“ nennen. Im vorliegenden Fall könnte man auch von einem direkten Draht der Betrüger in die oberste Spitze der Musik- und Film-Industrie der Schweiz sprechen.

Nachdem wir aber wissen, dass ausgerechnet die IFPI-Bosse selber in lusche Geschäfte verwickelt sind, erstaunt es wohl kaum, dass man dort in Zukunft auf Viganòs Zögling als Geschäftsführer setzt.

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