Wo wohnt heut‘ der Klammeraffe?

April 4, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wer kennt es nicht: Eine kleine, zweideutige Klammer mit einem oder zwei Buchstaben dazwischen, und schon wird aus dem „Pool“ ein „Po(ool)“ aus dem „nackig“ ein „(k)nackig“, kurzum: Bucstabenspielereien scheinen im Hause Ringier grausige Anfälle von Schenkelklopfhumor auszulösen. Der Beispiele gibt es viele, und hier sind nur ein paar davon zitiert:
– «Femme Fatale» Britney Spears ist (k)nackig zurück
– Magerwahn-­ Alarm Candice Swanepoel: Victoria’s Secret (St)engel
– Klinko knipst Bier-­ Baronesse Boa(h)! Schweizer mit Riesenschlange
– Cruz und Kunis: Mamma Mi(l)a auf dem Oscar-Teppich
– «Echt zu viel»: Sonya Kraus will ab(b)rüsten
– So ein süsser Ker(r)l! Miranda zeigt ihr Bloom-Baby

Was will uns das sagen? Dass die Blick-Schuschus ein wenig einfältig bei der Titelwahl vorgehen? Dass sie einem Zweideutigkeiten mit dem Vorschlaghammer ins Kleinhirn drücken müssen? Dass sie der Welt beweisen wollen, wo der Bartli den Humor holt?

Oder dass langsam, aber sicher, die Redaktion mit ehemaligen Bild-Leuten infiltriert ist? Denn: Wer hat’s erfunden? Definitiv nicht die Schweizer Boulevardesk-Humoristen. Wer sich das Erbringen des Nachweises antun will: Bild.de hilft weiter.

IFPI – Die Zensur geht weiter

April 4, 2011 § Ein Kommentar

Ist jemandem aufgefallen, dass in der Schweiz praktisch kein Medium über die IFPI-IP-Gate-Story berichtet hat? Kein Wunder, denn wer massiv mit juristischer Munition beschossen wird, zieht in der Schweiz angesichts der klammen finanziellen Situation gerne und schnell den Schwanz ein.

Aber: Selbst im Ausland scheint die IFPI alles zu tun um zu verhindern, dass die Steuerbetrugs-Geschichte öffentlich wird. Denn illegale Handlungen der IFPI-Grössen sind ja nun zu peinlich. Und würden die Behörden erst mal anfangen genau zu untersuchen, könnte es sein, dass hier auch noch andere schwarze Kassen der IFPI-Landesgruppen entdeckt werden.

Immerhin: etcjournal.com berichtete über den Fall von Steuerbetrug und Medienzensur. Aber was dort genau geschrieben wurde, das lässt sich leider nur noch erahnen – kaum erschienen, verschwand der Bericht wieder. Was geblieben ist: Eine dezente Ahnung über den Inhalt, der einem via Google präsentiert wird:

Nun muss man sich vor Augen halten: Wenn jemand etwas ausgefressen hat, zumal wenn genügend finanzielle Resourcen vorhanden sind, dann wird eine PR-Firma eingeschaltet, welche die Vorwürfe kommentiert und schönwedelt.

Dass die IFPI, die sonst mit Hilfe von PR-Beratern, noch die abstruseste Idee zu einer hipen Botschaft umwandelt, hier nur noch mit nackter Panik reagiert, lässt tief blicken. Untersuchungen der Behörden in der Schweiz und in Deutschland gegen die IFPI Schweiz – da scheint es nichts mehr zu geben, um es schön zu reden.

Zensurslifpi schlägt den Boten tot

April 2, 2011 § 2 Kommentare

Zensur ist, wenn man trotzdem lacht. Aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken, wenn private Institutionen mit richterlicher Hilfe die Wahrheit unterdrücken.

Wobei, ich gebe es zu: Das mit der „richterlichen Hilfe“ mutmasse ich lediglich. Aber der Reihe nach: Am 2. April 2011 publizierte die Aargauer Zeitung einen detailliert recherchierten Artikel über ein offensichtliches Steuerspar-Modell, in welches einige Exponenten der IFPI involviert sind. Das Wort „Steuerspar-Modell“ ist bewusst sehr vorsichtig gewählt, denn im Klartext handelt es sich offensichtlich um Beihilfe zum Steuerbetrug.

Statt nun die ganze Geschichte zusammenzufassen, sei sie hier im Original zitiert:

„Beamte sehen sich Musiklobby an
Steuern Deutsche Behörden haben Personen aus dem Umfeld des Musik-Verbandes IFPI im Visier

«Game Over». Mit dieser Aktion begann der Interessenverband der Musikindustrie IFPI (unter anderem Universal, Sony, EMI) vor sechs Jahren die Offensive gegen «Raubkopierer» – Personen, die im Web Musikdateien verteilten.

Ende 2005 seien bereits 1500 Fälle in der Schweiz verfolgt worden, berichtete der IFPI-Schweiz-Geschäftsführer. Er bezog sich dabei auf die für ihn eindeutige Gesetzeslage. Im Verlauf von «Game Over» zerrte die IFPI weitere Privatpersonen vor Gericht, die Musik über Tauschbörsen verbreiteten. Meist einigte man sich aussergerichtlich auf Schadenersatzzahlungen von bis zu 10000 Franken.

Neben den dauernden Angriffen mutmasslicher Raubkopierer müssen sich Vertreter der IFPI nun einer unerwarteten Attacke erwehren: Laut Informationen der az interessieren sich seit Wochen mehrere deutsche Behörden fürs Umfeld der IFPI Schweiz wegen Steuerfragen.
Schweizer AG für Lizenzen

Auf die IFPI wurden die Steuerbeamten durch die Zürcher Firma IPGate aufmerksam. Die IPGate gehört einer deutschen Erfinderfamilie, welche die Firma zur Verwertung des geistigen Eigentums einschaltete. Deren Statthalter: der IFPI-Geschäftsführer.

Mitte April 2010 deponierte die IPGate bei der zentralen Steuerstelle Deutschlands ein Begehren auf «Freistellung inländischer Einkünfte vom Steuerabzug». Um in den Genuss dieses Erlasses zu kommen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Etwa der Nachweis, dass die Firma nicht einfach aus einem Briefkasten besteht. Für diesen Nachweis helfen Angestellte. Auch ein Domizil ist von Nutzen, das nicht bekannt ist als Absteige anderer Körperschaften, bei denen die gleichen Leute die Finger im Spiel haben.

Der IFPI-Geschäftsführer präsentierte Bonn die gewünschten Nachweise und erläuterte, warum er mit den Deutschen ins Geschäft kam: Es bestehe eine langjährige Freundschaft und man sei in ähnlichen Geschäftsfeldern tätig. Steuerliche Belange für den IPGate-Sitz in Zürich seien nicht ausschlaggebend gewesen, beteuerte er. Seine Argumente stiessen in Bonn auf offene Ohren. Am 8. Oktober 2010 wurde der IPGate die gewünschte Freistellung gewährt, die Vergütungen flossen in die Schweiz.
Telefonkonferenz sorgt für Fragen

Alles lief für die IPGate. Doch per Zufall schöpften Personen lokaler deutscher Finanzbehörden Verdacht. Man gelangte an Dokumente, die Fragen aufwerfen – sie liegen der az vor.

Ende August 2009 hielt der Vorstand der IFPI eine Telefonkonferenz ab. Traktandiert waren unter anderem die Punkte «Adresse IFPI Schweiz» und «Personal». Zwei Vorstände wollten die Adresse der IFPI ändern. Von der Toblerstrasse 76a in Zürich sollte man an die Kantstrasse 30 ziehen.

Der Antrag wurde gutgeheissen – doch die Kantstrasse 30 gibt es in Zürich nicht. Heute residiert die Musikindustrie-Lobby an der Kraftstrasse 30. Sowohl die Kraftstrasse 30 wie auch die Toblerstrasse 76a gehören zum gleichen Haus – der Umzug fand nur virtuell statt.

Die Parzelle des Gebäudes ist laut Grundbuchamt auf eine Person eingetragen, die ebenfalls für die IFPI Schweiz in Erscheinung trat – als Kläger gegen Tauschbörsennutzer.

Beim Thema «Personal» machte der IFPI-Geschäftsführer dem Vorstand etwas «schmackhaft». Zwei IFPI-Angestellte sollten nicht direkt von IFPI Schweiz entlöhnt werden, sondern von der IPGate. Als Vorteil dieser Lösung für die IFPI steht im Protokoll: «Ich kann jetzt besser Personen suchen, da ich mich nicht verstecken muss. Momentan kann ich nicht unter IFPI Schweiz nach aussen auftreten.» Als Vorteil für die IPGate steht im Dokument: «Kann durch Angestellte besser den steuerrechtlichen ‹Aktivitätsnachweis› erbringen, um die deutsche Abzugssteuer (eine Art Quellen- respektive Verrechnungssteuer) bei Lizenzgeschäften zurückzufordern.» Der Vorstand war gemäss Protokoll auch mit dieser Lösung einverstanden. Später berichtete der IFPI-Geschäftsführer den Bonner Steuerbehörden zur Funktion der zwei Angestellten: «Diese Personen tragen wesentlich zur Weiterentwicklung der IPGate AG bei» – obwohl sie ja offiziell für die IFPI tätig waren.

Diese Vorkommnisse erregen in Deutschland Misstrauen. Auch wenn dort momentan steuerliche Untersuchungen laufen, für alle Involvierten gilt die Unschuldsvermutung.
IFPI: Externe Prüfung angeordnet

Der IFPI-Schweiz-Präsident nahm zu konkreten Fragen der az keine Stellung. Er hielt jedoch fest, die Vorwürfe seien verunglimpfende Behauptungen und Anschuldigungen an den Verband. Und: «Der Vorstand der IFPI erachtet zwar alle Vorwürfe als haltlos, hat aber dennoch eine rechtliche Prüfung durch externe Stellen angeordnet. Bei Vorliegen der Ergebnisse wird der Vorstand entscheiden, ob und wenn ja, in welcher Form Handlungsbedarf besteht und gegebenenfalls darüber informieren. Bis dahin können wir keine weitere Stellung dazu nehmen.»

Auf Anfrage sagte der IFPI-Geschäftsführer in seiner Eigenschaft als IPGate-Verwaltungsrat: «Wir haben keine Anzeichen, dass Finanzämter in Deutschland aktiv wurden.»

Verfasst wurde diese Geschichte von Christian Bütikofer, der sich in der Vergangenheit journalistisch mit allerlei Halbwelts-Gestalten herumschlagen musste. Und seine Geschichten blieben jeweilen im Blatt.

Als er es jetzt aber mit der IFPI aufnehmen wollte, war der Gegner offensichtlich zu gross. Schon wenige Stunden, nachdem die Story online gestellt worden war, musste die „Aargauer Zeitung“ sie vom Netz nehmen. Es lässt sich lediglich vermuten, was hier im Hintergrund abgegangen ist: Die Anwälte von IFPI, Universal Music und EMI haben sich wohl mit geballter Kraft an die AZ Media gewandt, um unter Androhung schrecklicher juristischer Qualen den Artikel zum Verschwinden zu bringen. Denn das einzige, was von ihm noch übrig blieb, war diese Entschuldigung, die am Ende nur blanker Hohn ist:

Denselben Text findet man man, wenn der Artikel via Google gesucht wird oder auf der Homepage der anderen Kopfblätter der Aargauer Zeitung. Immerhin lassen sich via Google-Bildersuche noch einige wenige Informationen finden, die dokumentieren, dass der Artikel wohl durchaus korrekt recherchiert worden ist und mit Belegen unterlegt wurde.

Fazit: Die IFPI mag wohl gerne ein paar Schreibhuren, welche für sie oder in ihrem Auftrag etwas schreiben. Auseinandersetzung mit der Wahrheit ist bei der IFPI aber offensichtlich nicht gefragt.

Die Schreibhuren

Januar 29, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

In den 80er-Jahren, unter Peter Übersax, positionierte sich die Tageszeitung „Blick“ irgendwo zwischen Hobby-Porno-Postille und empörter „Nationaler Aktion“. Auf sagenhafte beinahe 400’000 schraubte „Blick“ seine Auflage unter Übersax hoch. Der das prompt als Erfolg seiner rechtspopulistischen Blattausrichtung interpretierte und den Erfolg des „Bingo“-Spiels ausblendete.
Tamilen waren unter Übersax Freiwild, und wenn dann mal einer von Rechtsradikalen verprügelt wurde, wusch er seine Hände natürlich und selbstverständlich in publizistischer Unschuld.
Das erinnert doch an eine gewisse Partei. Genau, jene, die einen Mörgeli in den eigenen Reihen hat. Und dieser Mörgeli hat sich mal einen hübschen Freudschen geleistet, als er im Club vor einigen Jahren meinte: „Wenn wir erst die Macht übernommen, äh, bei den Wahlen gewonnen haben…“
Diese Partei hat auch einen Fehr, jenen Mann eben, der sich als Wahlkampfleiter mal kurz einen Überfall herbeifantasiert. Dass die Medien darauf aufspringen, liegt auf der Hand. Was aber „Blick Online“ daraus macht, erinnert an die düsteren übersax’schen Zeiten: Der erfundene Überfall wird zum Anlass genommen, um mit einer beispiellosen Hysterie publizistisch auf alles zu schiessen, was links der SVP steht.
Den Auftakt machte der stellvertretende Chefredaktor von blick.ch, Marcel Zulauf. In Fehrscher Manier lügt er munter drauf los. Oder – und das wäre noch schlimmer – er ist mit purer Ahnungslosigkeit geschlagen. Vielleicht ist es aber ja genau das, was ihn zum Chef-Stv qualifiziert…
Nachdem jedenfalls in einem WEF-Hotel in Davos ein Knallkörper losgeht, erschrickt er sich ganz schrecklich und meint: „Bisher musste der Tagungsort nicht hermetisch abgeriegelt werden.“ Aha? „Am Samstag soll ganz Davos vollkommen abgeriegelt werden“, schrieb der „Tages-Anzeiger“ schon 2001.
Zulauf sieht Unsicherheit am Horizont aufziehen, linke Extremisten allüberall, und das steht natürlich in direktem Zusammenhang mit der „Attacke“ auf Hans Fehr.
Dass Zulauf dann auch noch Zucker in einem Heizöltank entdeckt, obwohl das bis heute ungesicherte Gerüchte sind – egal. Journalistisches Handwerk ist für die anderen gedacht. Ein Zulauf braucht das nicht.
Dafür kann er hausintern ein wenig weiterhetzen, und tags darauf schreibt folglich Natascha Eichholz (sie hat sich bisher mit harmlosen Werbetextli im Journalistenkleid hervorgetan) über die Linksextremisten: „Am Morgen die Explosion in Davos. Am Abend der Bahnhof Basel als Ziel.“ Aha. Linksextremisten griffen also den Bahnhof Basel an! Haben sie ihn in die Luft gesprengt? Geiseln genommen? Ihn dem Erdboden gleich gemacht?
Nein, viel schlimmer. Zunächst – die blick.ch Leser sind schliesslich dumm – erklärt sie noch einmal, was in Davos geschehen ist: „Gestern Morgen sorgt eine Explosion in Davos für Angst und Schrecken.“
Genau! Angst! Schrecken! Tote! Terroristen! Umsturz!
Und die Fortsetzung? „Gestern Abend nahmen Linksextreme den Basler Hauptbahnhof ein.“ Also schon wieder: Geiseln! Mord! Totschlag!
Oder etwa doch nicht? Au ja, die semi-terroristische Handlung war, dass Demonstranten am Bahnhof ein Transparent anbrachten.
Angesichts solcher journalistischer Inkompetenz kann man im besten Fall den Kopf schütteln. Im schlimmsten Fall muss man annehmen, dass sich hier ein paar Leute aus ideologischen Gründen gleich selber zur Schreibhure degradieren. Man darf sich aussuchen, was besser passt.

Das grosse „Aua“ ohne Spuren

Januar 26, 2011 § Ein Kommentar

Nachdem in den vorhergegangenen Post schon so einiges über die Merkwürdigkeiten in Fehrs Schilderungen geschrieben wurde, stellt sich die Frage: Wie genau ging die Prügelei nun über die Bühne?

Schauen wir doch nochmal, wie Hans Fehr es beschreibt. Einmal soll es sich so zugetragen haben:

Ich war schon fast an den Autonomen vorbei, als ich jemanden rufen hörte

Das erweckt den Eindruck, als sei er an den Leuten vorbeigegangen, und in letzter Sekunde hätten Sie ihn attackiert. Da tönt seine nächste Version schon ein wenig anders:

«Plötzlich sehe ich eine Wand schwarz gekleideter Figuren vor mir.»

Aha. Er ist also nicht an ihnen vorbeigegangen, sondern ging ihnen entgegen. Aus dem Nichts tauchten sie quasi vor ihm auf und prügelten auf ihn ein. Alles klar? Oder doch nicht? Denn:

«Ich ging links an denen vorbei, sie standen rechts auf der anderen Strassenseite.»

Wo ist plötzlich die schwarze Wand?

Sie standen also auf der anderen Strassenseite, er ging – wie schon zuvor ausgeführt – im Dunkeln, mit dunklem Mantel, sie erkannten ihn trotzdem, trotz der Demo, an der sie ja teilnahmen, rannten über die Strasse, standen unvermittelt als schwarze Wand vor ihm, attackierten ihn in letzter Sekunde, als er schon an ihnen vorüber war? Man sieht: Das macht keinen Sinn.

Entweder: Sie standen vor ihm. Oder: Sie waren gegenüber. Oder: Er ging an ihnen vorbei. Herr Fehr sollte sich entscheiden.

Aber noch merkwürdiger wird es, wenn man die Schilderungen hört, wie sie auf ihn eingeprügelt haben sollen.

Sie haben mich zu Boden gerissen und auf mich eingeschlagen.

In diesem Fall beschreibt er, wie die Schlägerei vonstatten ging, als er schon beinahe an ihnen vorbei war. Sie attackierten ihn also von seitlich hinten. Rissen ihn zu Boden, müssen dann quasi auf die Knie gegangen sein, um auf ihn einzuschlagen. Das tönt dann doch etwas merkwürdig. Deshalb wird die nächste Variante etwas plausibler geschildert:

Es gingen drei oder vier Leute völlig unvermittelt auf mich los. Sie haben einfach auf mich eingeschlagen, mit Fäusten und Füssen.

Okay, das ist vorstellbar. Aber wohl zu wenig dramatisch. Zum Glück fragen Medien nicht nach, denn so konnte er seine nächste Version in die Mikrofone diktieren:

„Eine Gruppe Vermummter stürzte auf mich zu.“ Erst setzt es Faustschläge. Als er zu Boden geht, treten sie ihn mit Springerstiefeln. Auch gegen den Kopf. «Ein Mann zog mich von den Leuten weg, sagte, ‹Chömed Sie, chömed Sie›, ich dachte, er wollte mir helfen – da habe ich plötzlich noch eine verpasst gekriegt», so Fehr.

Nehmen wir also an, dass er zuerst mit Fäusten geschlagen wurde, zu Boden ging, Tritte gegen den Kopf erhielt, gegen die Brust, dann, als krönenden Abschluss, nochmal einen Faustschlag an den Kopf.

Nun muss ich klarstellen: Verprügelt zu werden ist nicht lustig. Und auch ich habe das schon erlebt: Drei Jungs, mitten auf dem Trottoir. Zwei Schläge ins Gesicht, ich wurde ohnmächtig, und am nächsten Tag sah ich aus, als sei ich im Laufschritt und Gesicht voran in die Wand gerannt.

Schauen wir uns mal Opfer solcher Prügelattacken an.

Der Mann auf dem nebenstehenden Bild ist Sigi Hrrmann. Er ist Ex-Radprofi, und ihm geschah Ähnliches wie Fehr: Fünf Burschen verprügelten ihn. Vier Faustschläge und einige Tritte, als er bereits am Boden lag. Die Spuren im Gesicht sind deutlich und sprechen eine klare Sprache. Die Diagnose, gestellt im Spital Feldkirch: ein blaues Auge, Hämatome, gebrochene Fingernägel, Prellungen an Kiefer und Kehlkopf.

Schauen wir uns den nächsten Fall an:

Hier sehen wir Heiner Schuck. Zwei Burschen schlugen ihn mit ihren Fäusten ins Gesicht. Die Auswirkungen sind klar zu sehen. Wohlgemerkt: Das Foto wurde zwei Tage nach der Prügelattacke aufgenommen. Schuck trug Hämatome davon, Schwellungen im Kopfbereich, er musste das Bett hüten.

Aber es gibt noch weitere Fälle, die ähnlich verliefen wie jener von Hans Fehr. Jenen von Kamil Gargoora. In der Pendler-Nicht-Zeitung „20 Minuten“ wird der Fall so geschildert: „Eigentlich wollte Kamil Gargoora am vorletzten Sonntag im Bahnhof nur schnell einen Kaffee trinken – doch er landete in der Notaufnahme des Permanence Medical Centers und ist mittlerweile arbeitsunfähig. Laut eigenen Angaben stand er beim Imbissstand am Gleis 7, als er plötzlich von Fans des FC Basel von hinten überrannt worden sei. «Als ich aufstand, schlug mir einer noch zweimal die Faust ins Gesicht.»“

Zwei Schläge ins Gesicht. Und wie sieht der Mann anschliessend aus? Man führe es sich zu Gemüte:

Das nennt man ein Veilchen. Wohlgemerkt: Zwei Schläge ins Gesicht, und der Mann ist deutlich gezeichnet, es wird ein mehrfacher Nasenbeinbruch diagnostiziert, ausserdem erblindet er beinahe auf dem linken Auge.

Schauen wir uns einen weiteren Fall an, diesmal aus Deutschland: Der junge Mann Steffen Wagner wurde von seinem Fahrrad gerissen und von sechs Männern, von denen fünf tätlich geworden seien, verprügelt. Namentlich hätten sie auch auf ihn eingetreten. Das Fazit dieser Schlägerei ist im Gesicht des Opfers klar zu sehen, auch nach einigen Tagen:

Sieht man sich diese Bilder an, wird klar: Faustschläge, Fusstritte, dies dann auch noch gegen den Kopf, sind keine Banalität. Sie haben meist ernsthafte Verletzungen zur Folge. Der berühmtberüchtigte Fall der „Goldküstenprügler“ zeigt, dass dies sogar als Tötungsversuch gewertet werden kann.

So gesehen ist es wahr: Was Hans Fehr widerfahren ist, ist keine Bagatelle: Schläge und Tritte gegen den Kopf, gegen den Körper, und als er sich endlich aufgerappelt hat wird er gleich nochmal geschlagen.

Das muss Spuren zurücklassen. Denn wenn selbst jüngere, zum teil gut trainierte Personen nach vergleichbaren Prügelattacken so aussehen wie auf den Bildern zuvor, muss auch Fehr happige Blessuren davongetragen haben.

Rekapitulieren wir: Schläge gegen den Kopf. Tritte gegen den Kopf. Als er am Boden liegt schützt er seinen Kopf mit den Armen, wird gegen den Körper getreten. Als er wieder steht, erhält er nochmals einen Schlag.

Und wie sieht Fehr aus, nachdem er sich dieser Prügelorgie unterziehen musste?

Minuten nach der Prügelei so:

Am nächsten Tag, nachdem er sich gewaschen hat, sieht man von der Schlägerei praktisch nichts mehr:

Fehr spricht von „satanischen Schmerzen“, die er auszuhalten habe. Aber zu sehen ist, abgesehen von einer Mini-Schramme, nichts. Keine Spur der Prügelorgie. Kein blaues Auge. Kein sichtbares Hämatom. Nichts.

Super-Hans oder Hans von Münchhausen?

In den folgenden Posts werde ich es mir in den nächsten Tagen erlauben, einige weitere Ungereimtheiten zur Sprache zu bringen. Denn: Entweder sind die Schurnis der Schweizer Medien einfach gutgläubig. Oder sie sind dumm. Oder sie sind keine Schurnis. Denn jede einzelne der bisher aufgeworfenen Fragen hätten Fehr bei seinen zahllosen Interviews seit der „Schlägerei“ gestellt werden sollen. Und niemand hats getan. Shame on you.

Im Dunkeln sind alle Politiker grau

Januar 26, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn wir Hans Fehr glauben dürfen, so haben ihn die Angreifer auf der Strasse sofort erkannt.

Das ist möglich. Ist es aber auch wahrscheinlich?

Das nebenstehende Bild zeigt Hans Fehr unmittelbar nach der Schlägerei. Klar ist zu sehen: Es ist dunkel. Fehr trägt einen Mantel. Die Beleuchtung ist schlecht. Kurz: Fehr ist beinahe nicht zu erkennen.

Aber offensichtlich haben gleich mehrere Angreifer ihn sofort erkannt – und dies auf eine gehörige Distanz. Man mag nun einwenden, dass wohl lediglich einer der Angreifer Fehr erkannt, daraufhin seinen Namen gerufen und dann losgestürmt sei. Nur: Das ist unwahrscheinlich. Jemanden anzugreifen und zu verprügeln ist wohl auch bei Menschen mit einem nicht eben ausgeprägten Intellekt etwas, welches das Überwinden einer gehörigen Hemmschwelle voraussetzt.

Aber wir alle wissen: Die menschliche Dummheit kann grenzenlos sein. Deshalb schliesse ich nicht aus, dass es sich so zugetragen hat, wie Fehr es schildert. Dass einige Männer ihn erkannt haben.Fragen bleiben trotzdem:

Die Angreifer nahmen den Weg zum Albisgüetli auf sich. Wohl um zu demonstrieren. Weshalb aber sollen sie dann abseits der Demo rumgestanden sein? Das ist umso erstaunlicher, weil mindestens einer der Gruppe so schlau und gebildet gewesen sein muss, um den dunkel gewandeten Fehr im Dunkeln zweifelsfrei zu erkennen. Auch muss einer der Angreifer wohl eine Art Führungsrolle inne gehabt haben, denn nachdem er Fehr erkannte, sollen weitere Demonstranten ihm gefolgt sein, um Fehr zu verprügeln.

Wie erwähnt: Das kann so gewesen sein, scheint aber unwahrscheinlich.

Verwirrt? Geirrt? Oder in die Irre geführt?

Januar 26, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Zunächst eine Vorbemerkung: Seit Mitte Oktober 2010 ist Hans Fehr im Führungsteam der SVP als Wahlkampfleiter verantwortlich für Aktionen und Anlässe.

Und ebenfalls zu den Vorbemerkungen gehört, dass nur einen Tag vor der vermeintlichen Attacke die Staatsrechtliche Kommission des Ständerats die aargauische Standesinitiative „Nationales Verhüllungsverbot“, welche die teilweise oder vollständige Verhüllung des Gesichts auf öffentlichem Raum in der ganzen Schweiz verbieten will, abgelehnt hat – gegen den Willen der SVP.

Und ebenfalls zu den Vorbemerkungen gehört, dass die SVP maximal von dieser Attacke profitiert. Wer irgend etwas gegen die zukünftige „Sicherheitspolitik“ der SVP einwendet, wird wohl ins Lager der Fehr-Attackierenden geschmissen – oder zumindest in deren geistige Nähe.

Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein: Fand diese Attacke tatsächlich statt oder nicht?

In den Medien wurde diese Frage bisher nicht gestellt – denn das Beispiel von Beatrice Reimann zeigt: Wer Fehr kritisiert, muss sich warm anziehen. Reflexartig wurde Reimann unterstellt, dass sie das Opfer zum Täter mache.

Ungeachtet dieses Reflexes erlaube ich mir die Frage: Hat sich die ganze Sache tatsächlich so zugetragen, wie Fehr es darstellt? Oder sind andere Varianten möglich.

Tatsächlich lassen Hans Fehrs Schilderungen einige Fragen offen. Das beginnt schon ebi der Beschreibung dessen, was die Angreifer gesagt haben sollen.

In einer ersten Version sagte Fehr, sie hätten gerufen „Da kommt der Fehr“.

Seine nächste Version – „Das ist der Fehr“ – kommt dem einigermassen ähnlich. Und auch „Hey, da, de Fehr!“ lässt sich in diese Kategorie einordnen.

Dann jedoch wird ihm in einem Interview die Frage gestellt, welchen Dialekt die Angreifer gesprochen hätten. Seine lakonische Antwort: Das könne er nicht sagen, denn SVP töne in jedem Dialekt ziemlich gleich. Und fortan rapportierte er, dass die Angreifer gerufen hätten „SVP! SVP-Fehr“.

Dass hier die Aussage verändert wird, mag marginal sein. Aber in Verbindung mit weiteren Ungereimtheiten stellen sich Zweifel ein, die Fehr bisher nicht ausgeräumt hat.