Der SVP-Kumpel der Musikindustrie-Paten

Dezember 7, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die NicStic-Abzocke fand, wie zuvor erwähnt, mit gütiger Hilfe einiger Musikmanager statt.

Doch der Skandal hat auch eine politische Dimension, die in Zeiten, da sich ein SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger als Abzocker outen muss, perfekt in die besinnliche Adventszeit passt.

Zunächst fällt auf, dass neben Hansjörg Gutknecht und Willy Zurschmiede auch ein „Dr. Georg Fallegger“ als Erfinder in der Patentschrift aufgelistet ist. Nachdem die Causa NicStic-Betrug schon wacker Wellen schlug und klar war, dass es hier um einen Betrug geht, wurde in Luzern eine Krisensitzung einberufen. Ziel: Den aufgebrachten Aktionären sollte Verbal-Baldrian verabreicht werden. In einem Protokoll wird dabei die Rolle von Fallegger so festgehalten:

„Zum letzten Punkt gegen 15:00 Uhr machte Herr Dr. Georg Fallegger Vorschläge zum Börsengang der NicStic AG. Herr Dr. Fallegger ist in erster Linie Aktionär der NicStic AG, hat aber durch seine Arbeit bei der AABC Alternative Asset Broker Company Ltd., die er im Jahr 2001 gründete und erfolgreich als Geschäftsführer leitet, einen Blick für „börsenverdächtige“ Firmen. […] Um ein Überleben der Gesellschaft zu ermöglichen und um auch die NicStic AG künftig an die Börse zu bringen ist es erforderlich, die Gesellschaft zum jetzigen Zeitpunkt mit den nötigen finanziellen Mitteln auszustatten. Deshalb fordert er die Aktionäre auf, die Zeichnung zur Kapitalerhöhung durchzuführen. Die Aktionäre sollen nicht als Verlierer dastehen, sondern in den nächsten Jahren von einem Aktienkurs profitieren, der der Markterwartung des tollen Produktes entspricht. […] Das Referat des Aktionärs Dr. Fallegger hat das Publikum sehr beeindruckt und fand inhaltlich volle Zustimmung.“

Falleggers Brandrede an die betrogenen Aktionäre zeigte Wirkung, und prompt konnte die Abzockerei weitergehen.

Dieser Georg Fallegger ist politisch interessierten Zeitgenossen in der Schweiz bestimmt bekannt: Er ist Mitglied der SVP und wurde von der Zürcher Sektion so beschrieben:  „… Georg Fallegger – ausgebildeter Betriebswirtschafter (Dr. oec. HSG) – bringt umfangreiche Berufserfahrung als Führungskraft und Unternehmer aus dem Versicherung- und Bankenwesen mit. Fallegger ist heute als selbständiger Berater im Bereich Risikovorsorge und Nachfolgeregelung für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) tätig. Darüber hinaus doziert Georg Fallegger an der Universität St. Gallen (HSG) über alternativen Risiko-Transfer sowie an der Fachhochschule Luzern (HSLU) über Risiko-Management.“

Die SVP-Pressestelle belobhudelte Fallegger, weil er als SVP-Vertreter in den Bankrat der Züricher Kantonalbank gewählt werden sollte. Doch als der Tages-Anzeiger sein NicStic-Engagement aufdeckte, gab Fallegger den Naiven: Zwar habe er von der Vorstrafe eines der „Hauptverbrecher“ gewusst, sei aber ansonsten naiv in die Falle getappt.

Naiv? Dann wäre ihm anzuraten, mal prophylaktisch seine anderen wirtschaftlichen Engagements unter die Lupe nehmen. So ist er etwa eng mit dem Anwalt Martin Grossmann verbandelt, der in Falleggers Firma „AABC Alternative Asset Broker Co. Ltd.“ seit ihrer Gründung im Aufsichtsrat sitzt. Vielleicht sollte man dem konservativen Politiker Fallegger mal mitteilen, dass es ganz moderne, nigelnagelneue Techniken gibt: Computer. Internet. Suchmaschinen. Mit Hilfe dieser für einen konservativen Politiker wohl unglaublich modern anmutenden Hilfsmittel könnte er dann nach seinem Partner suchen. Also nach „Martin Grossmann“ in Verbindung mit Abzocker, Betrüger, kriminell oder Anlagebetrug. Und Fallegger wird staunen, wie viele solche Fälle es auf dieser grossen, bösen Welt gibt und die genau so funktionieren wie der NicStic-Betrug vor sich ging.

Auf Facebook schreibt Fallegger: „Alle kriminellen Ausländer müssen ausgeschafft werden!“Da stellt sich die Frage: Will Fallegger nicht teilen?

P.S.1: Fallegger sitzt übrigens für seine rechtsbürgerliche Partei in der Rechnungsprüfungskommission seiner Wohngemeinde Bassersdorf. Er sollte also darüber wachen, dass dort finanziell alles mit rechten Dingen zugeht. Man nennt dies auch das Bock-zum-Gärtner-Prinzip.

P.S.2: Für jene, welche dem oben stehenden Link nicht folgen wollten und das Protokoll der ominösen Sitzung von 2006 noch nicht gelesen haben. Selbstverständlich wird dort auch Hansjörg Gutknecht erwähnt. Einerseits als Großaktionär. Also als armes Opfer. Aber auch als Geschäftspartner der NicStic. Und schließlich als  zukünftiger Aufsichtsrat.

Wahrscheinlich dürften einige dieser Herren froh gewesen sein als sie erfuhren, dass der Betrug nicht juristisch geahndet wird. Denn wie so viele andere Abzockereien landete der Fall in der Verjährung.

Das grosse „Aua“ ohne Spuren

Januar 26, 2011 § Ein Kommentar

Nachdem in den vorhergegangenen Post schon so einiges über die Merkwürdigkeiten in Fehrs Schilderungen geschrieben wurde, stellt sich die Frage: Wie genau ging die Prügelei nun über die Bühne?

Schauen wir doch nochmal, wie Hans Fehr es beschreibt. Einmal soll es sich so zugetragen haben:

Ich war schon fast an den Autonomen vorbei, als ich jemanden rufen hörte

Das erweckt den Eindruck, als sei er an den Leuten vorbeigegangen, und in letzter Sekunde hätten Sie ihn attackiert. Da tönt seine nächste Version schon ein wenig anders:

«Plötzlich sehe ich eine Wand schwarz gekleideter Figuren vor mir.»

Aha. Er ist also nicht an ihnen vorbeigegangen, sondern ging ihnen entgegen. Aus dem Nichts tauchten sie quasi vor ihm auf und prügelten auf ihn ein. Alles klar? Oder doch nicht? Denn:

«Ich ging links an denen vorbei, sie standen rechts auf der anderen Strassenseite.»

Wo ist plötzlich die schwarze Wand?

Sie standen also auf der anderen Strassenseite, er ging – wie schon zuvor ausgeführt – im Dunkeln, mit dunklem Mantel, sie erkannten ihn trotzdem, trotz der Demo, an der sie ja teilnahmen, rannten über die Strasse, standen unvermittelt als schwarze Wand vor ihm, attackierten ihn in letzter Sekunde, als er schon an ihnen vorüber war? Man sieht: Das macht keinen Sinn.

Entweder: Sie standen vor ihm. Oder: Sie waren gegenüber. Oder: Er ging an ihnen vorbei. Herr Fehr sollte sich entscheiden.

Aber noch merkwürdiger wird es, wenn man die Schilderungen hört, wie sie auf ihn eingeprügelt haben sollen.

Sie haben mich zu Boden gerissen und auf mich eingeschlagen.

In diesem Fall beschreibt er, wie die Schlägerei vonstatten ging, als er schon beinahe an ihnen vorbei war. Sie attackierten ihn also von seitlich hinten. Rissen ihn zu Boden, müssen dann quasi auf die Knie gegangen sein, um auf ihn einzuschlagen. Das tönt dann doch etwas merkwürdig. Deshalb wird die nächste Variante etwas plausibler geschildert:

Es gingen drei oder vier Leute völlig unvermittelt auf mich los. Sie haben einfach auf mich eingeschlagen, mit Fäusten und Füssen.

Okay, das ist vorstellbar. Aber wohl zu wenig dramatisch. Zum Glück fragen Medien nicht nach, denn so konnte er seine nächste Version in die Mikrofone diktieren:

„Eine Gruppe Vermummter stürzte auf mich zu.“ Erst setzt es Faustschläge. Als er zu Boden geht, treten sie ihn mit Springerstiefeln. Auch gegen den Kopf. «Ein Mann zog mich von den Leuten weg, sagte, ‹Chömed Sie, chömed Sie›, ich dachte, er wollte mir helfen – da habe ich plötzlich noch eine verpasst gekriegt», so Fehr.

Nehmen wir also an, dass er zuerst mit Fäusten geschlagen wurde, zu Boden ging, Tritte gegen den Kopf erhielt, gegen die Brust, dann, als krönenden Abschluss, nochmal einen Faustschlag an den Kopf.

Nun muss ich klarstellen: Verprügelt zu werden ist nicht lustig. Und auch ich habe das schon erlebt: Drei Jungs, mitten auf dem Trottoir. Zwei Schläge ins Gesicht, ich wurde ohnmächtig, und am nächsten Tag sah ich aus, als sei ich im Laufschritt und Gesicht voran in die Wand gerannt.

Schauen wir uns mal Opfer solcher Prügelattacken an.

Der Mann auf dem nebenstehenden Bild ist Sigi Hrrmann. Er ist Ex-Radprofi, und ihm geschah Ähnliches wie Fehr: Fünf Burschen verprügelten ihn. Vier Faustschläge und einige Tritte, als er bereits am Boden lag. Die Spuren im Gesicht sind deutlich und sprechen eine klare Sprache. Die Diagnose, gestellt im Spital Feldkirch: ein blaues Auge, Hämatome, gebrochene Fingernägel, Prellungen an Kiefer und Kehlkopf.

Schauen wir uns den nächsten Fall an:

Hier sehen wir Heiner Schuck. Zwei Burschen schlugen ihn mit ihren Fäusten ins Gesicht. Die Auswirkungen sind klar zu sehen. Wohlgemerkt: Das Foto wurde zwei Tage nach der Prügelattacke aufgenommen. Schuck trug Hämatome davon, Schwellungen im Kopfbereich, er musste das Bett hüten.

Aber es gibt noch weitere Fälle, die ähnlich verliefen wie jener von Hans Fehr. Jenen von Kamil Gargoora. In der Pendler-Nicht-Zeitung „20 Minuten“ wird der Fall so geschildert: „Eigentlich wollte Kamil Gargoora am vorletzten Sonntag im Bahnhof nur schnell einen Kaffee trinken – doch er landete in der Notaufnahme des Permanence Medical Centers und ist mittlerweile arbeitsunfähig. Laut eigenen Angaben stand er beim Imbissstand am Gleis 7, als er plötzlich von Fans des FC Basel von hinten überrannt worden sei. «Als ich aufstand, schlug mir einer noch zweimal die Faust ins Gesicht.»“

Zwei Schläge ins Gesicht. Und wie sieht der Mann anschliessend aus? Man führe es sich zu Gemüte:

Das nennt man ein Veilchen. Wohlgemerkt: Zwei Schläge ins Gesicht, und der Mann ist deutlich gezeichnet, es wird ein mehrfacher Nasenbeinbruch diagnostiziert, ausserdem erblindet er beinahe auf dem linken Auge.

Schauen wir uns einen weiteren Fall an, diesmal aus Deutschland: Der junge Mann Steffen Wagner wurde von seinem Fahrrad gerissen und von sechs Männern, von denen fünf tätlich geworden seien, verprügelt. Namentlich hätten sie auch auf ihn eingetreten. Das Fazit dieser Schlägerei ist im Gesicht des Opfers klar zu sehen, auch nach einigen Tagen:

Sieht man sich diese Bilder an, wird klar: Faustschläge, Fusstritte, dies dann auch noch gegen den Kopf, sind keine Banalität. Sie haben meist ernsthafte Verletzungen zur Folge. Der berühmtberüchtigte Fall der „Goldküstenprügler“ zeigt, dass dies sogar als Tötungsversuch gewertet werden kann.

So gesehen ist es wahr: Was Hans Fehr widerfahren ist, ist keine Bagatelle: Schläge und Tritte gegen den Kopf, gegen den Körper, und als er sich endlich aufgerappelt hat wird er gleich nochmal geschlagen.

Das muss Spuren zurücklassen. Denn wenn selbst jüngere, zum teil gut trainierte Personen nach vergleichbaren Prügelattacken so aussehen wie auf den Bildern zuvor, muss auch Fehr happige Blessuren davongetragen haben.

Rekapitulieren wir: Schläge gegen den Kopf. Tritte gegen den Kopf. Als er am Boden liegt schützt er seinen Kopf mit den Armen, wird gegen den Körper getreten. Als er wieder steht, erhält er nochmals einen Schlag.

Und wie sieht Fehr aus, nachdem er sich dieser Prügelorgie unterziehen musste?

Minuten nach der Prügelei so:

Am nächsten Tag, nachdem er sich gewaschen hat, sieht man von der Schlägerei praktisch nichts mehr:

Fehr spricht von „satanischen Schmerzen“, die er auszuhalten habe. Aber zu sehen ist, abgesehen von einer Mini-Schramme, nichts. Keine Spur der Prügelorgie. Kein blaues Auge. Kein sichtbares Hämatom. Nichts.

Super-Hans oder Hans von Münchhausen?

In den folgenden Posts werde ich es mir in den nächsten Tagen erlauben, einige weitere Ungereimtheiten zur Sprache zu bringen. Denn: Entweder sind die Schurnis der Schweizer Medien einfach gutgläubig. Oder sie sind dumm. Oder sie sind keine Schurnis. Denn jede einzelne der bisher aufgeworfenen Fragen hätten Fehr bei seinen zahllosen Interviews seit der „Schlägerei“ gestellt werden sollen. Und niemand hats getan. Shame on you.

Im Dunkeln sind alle Politiker grau

Januar 26, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn wir Hans Fehr glauben dürfen, so haben ihn die Angreifer auf der Strasse sofort erkannt.

Das ist möglich. Ist es aber auch wahrscheinlich?

Das nebenstehende Bild zeigt Hans Fehr unmittelbar nach der Schlägerei. Klar ist zu sehen: Es ist dunkel. Fehr trägt einen Mantel. Die Beleuchtung ist schlecht. Kurz: Fehr ist beinahe nicht zu erkennen.

Aber offensichtlich haben gleich mehrere Angreifer ihn sofort erkannt – und dies auf eine gehörige Distanz. Man mag nun einwenden, dass wohl lediglich einer der Angreifer Fehr erkannt, daraufhin seinen Namen gerufen und dann losgestürmt sei. Nur: Das ist unwahrscheinlich. Jemanden anzugreifen und zu verprügeln ist wohl auch bei Menschen mit einem nicht eben ausgeprägten Intellekt etwas, welches das Überwinden einer gehörigen Hemmschwelle voraussetzt.

Aber wir alle wissen: Die menschliche Dummheit kann grenzenlos sein. Deshalb schliesse ich nicht aus, dass es sich so zugetragen hat, wie Fehr es schildert. Dass einige Männer ihn erkannt haben.Fragen bleiben trotzdem:

Die Angreifer nahmen den Weg zum Albisgüetli auf sich. Wohl um zu demonstrieren. Weshalb aber sollen sie dann abseits der Demo rumgestanden sein? Das ist umso erstaunlicher, weil mindestens einer der Gruppe so schlau und gebildet gewesen sein muss, um den dunkel gewandeten Fehr im Dunkeln zweifelsfrei zu erkennen. Auch muss einer der Angreifer wohl eine Art Führungsrolle inne gehabt haben, denn nachdem er Fehr erkannte, sollen weitere Demonstranten ihm gefolgt sein, um Fehr zu verprügeln.

Wie erwähnt: Das kann so gewesen sein, scheint aber unwahrscheinlich.

Verwirrt? Geirrt? Oder in die Irre geführt?

Januar 26, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Zunächst eine Vorbemerkung: Seit Mitte Oktober 2010 ist Hans Fehr im Führungsteam der SVP als Wahlkampfleiter verantwortlich für Aktionen und Anlässe.

Und ebenfalls zu den Vorbemerkungen gehört, dass nur einen Tag vor der vermeintlichen Attacke die Staatsrechtliche Kommission des Ständerats die aargauische Standesinitiative „Nationales Verhüllungsverbot“, welche die teilweise oder vollständige Verhüllung des Gesichts auf öffentlichem Raum in der ganzen Schweiz verbieten will, abgelehnt hat – gegen den Willen der SVP.

Und ebenfalls zu den Vorbemerkungen gehört, dass die SVP maximal von dieser Attacke profitiert. Wer irgend etwas gegen die zukünftige „Sicherheitspolitik“ der SVP einwendet, wird wohl ins Lager der Fehr-Attackierenden geschmissen – oder zumindest in deren geistige Nähe.

Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein: Fand diese Attacke tatsächlich statt oder nicht?

In den Medien wurde diese Frage bisher nicht gestellt – denn das Beispiel von Beatrice Reimann zeigt: Wer Fehr kritisiert, muss sich warm anziehen. Reflexartig wurde Reimann unterstellt, dass sie das Opfer zum Täter mache.

Ungeachtet dieses Reflexes erlaube ich mir die Frage: Hat sich die ganze Sache tatsächlich so zugetragen, wie Fehr es darstellt? Oder sind andere Varianten möglich.

Tatsächlich lassen Hans Fehrs Schilderungen einige Fragen offen. Das beginnt schon ebi der Beschreibung dessen, was die Angreifer gesagt haben sollen.

In einer ersten Version sagte Fehr, sie hätten gerufen „Da kommt der Fehr“.

Seine nächste Version – „Das ist der Fehr“ – kommt dem einigermassen ähnlich. Und auch „Hey, da, de Fehr!“ lässt sich in diese Kategorie einordnen.

Dann jedoch wird ihm in einem Interview die Frage gestellt, welchen Dialekt die Angreifer gesprochen hätten. Seine lakonische Antwort: Das könne er nicht sagen, denn SVP töne in jedem Dialekt ziemlich gleich. Und fortan rapportierte er, dass die Angreifer gerufen hätten „SVP! SVP-Fehr“.

Dass hier die Aussage verändert wird, mag marginal sein. Aber in Verbindung mit weiteren Ungereimtheiten stellen sich Zweifel ein, die Fehr bisher nicht ausgeräumt hat.

Was genau war los?

Januar 25, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich gebe zu: Als ich erstmals hörte, dass der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr verprügelt worden sei, sass bei mir der Schock tief. Nicht nur, weil ich niemandem Prügel wünsche, sondern weil es auch eine politisch unglaublich dumme Tat war.

Dann dachte ich nach – und hoffte, dass einige Medienschaffende dies ebenfalls tun. Nur: Wir leben in der Welt von „20 Minuten“, „Blick am Abend“ – und so, wie die Auflage dieser Gratisblätter steigt, sinkt die journalistische Qualität der übrigen Medien. Kurzum: Das Motto scheint zu sein, dass man im Seichten nicht ertrinken könne.

Und so hätte mich eigentlich nicht erstaunen müssen, dass kein Journalist, keine Journalistin auf die Idee kam zu Fragen: „Hat sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen, wie Hans Fehr sie erzählt hat?

In der Online-Version des „Tages-Anzeigers“ wurde der Angriff zunächst so beschrieben:

«Sie haben mich zu Boden gerissen und auf mich eingeschlagen. Hätte ich ein Waffe dabei gehabt – ich keine Sekunde gezögert.» Ein paar Frauen aus der Gruppe seien schliesslich eingeschritten.

Tags darauf wurde er interviewt. Wieder im „Tages-Anzeiger“ erklärte er in einem Interview:

Ich habe mein Auto in der Nähe des Strassenverkehrsamts geparkt und wollte zu Fuss bis zum Albisgüetli. Ich habe nicht erwartet, dass das zum Problem werden könnte. Die Polizei war nicht weit, andere Leute gingen auch dort entlang. Ich war schon fast an den Autonomen vorbei, als ich jemanden rufen hörte: «Da kommt der Fehr.» Es gingen drei oder vier Leute völlig unvermittelt auf mich los. Sie haben einfach auf mich eingeschlagen, mit Fäusten und Füssen. Dass ich mich befreien konnte, habe ich nicht zuletzt einigen jungen Frauen zu verdanken, die interveniert haben. Sie gehörten auch zu den Leuten, haben die Schläger aber angeschrien und gesagt, sie sollten aufhören.

In der Online-Version des „Blick“ meinte er:

Wie Fehr in einem Interview mit dem Privatsender «Tele Züri» sagte, war er nichts ahnend mit dem Auto zum Albisgüetli gefahren. Als er ausgestiegen sei, habe jemand gerufen: «Das ist der Fehr» – und schon sei er von mehreren Personen mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert worden.

Und nochmal im „Blick“ lässt er in einer Home-Story das Geschehene so Revue passieren:

Es geschah ausgerechnet auf dem Weg dorthin, wo er sich am wohlsten fühlt: zur jährlichen Tagung seiner Partei im Albisgüetli.
Gegen halb sieben parkt Fehr sein Auto auf Höhe des Strassenverkehrsamts. Schnurstracks marschiert er die Üetlibergstrasse empor. Er ist spät dran. Blocher, Brunner, alle sind schon da. «Plötzlich sehe ich eine Wand schwarz gekleideter Figuren vor mir.»
Fehr fühlt sich dennoch sicher. «Ich habe gedacht, die machen mir doch nichts. Hinten stand ja die Polizei.» Als einer der Linksautonomen den SVP-Hardliner erkennt («Hey, da, de Fehr!»), geht es ganz schnell.
Es ist 18.40 Uhr. «Eine Gruppe Vermummter stürzte auf mich zu», erzählt Hans Fehr. Erst setzt es Faustschläge. Als er zu Boden geht, treten sie ihn mit Springerstiefeln. Auch gegen den Kopf. «Ich dachte nur noch, hoffentlich überlebst du das, hoffentlich bleibst du nicht behindert.»
Fehr liegt am Boden, hält die Arme vors Gesicht. Dann kriegt er mit, dass drei oder vier Demonstrantinnen auf die Schläger zukommen. «Hört auf, fertig!», schreien sie. Sofort lässt die Chaotenhorde, wie auf Befehl, von Fehr ab. Sind sie die Anführerinnen der Schläger?

Aber sein Martyrium war nach der Intervention der Frauen nicht zu Ende, wie er – wieder im „Blick“ – berichtet:

Nachdem sich drei Frauen – aus den linksautonomen Kreisen – schützend vor ihn stellten, liessen die Schläger von ihm ab. «Ein Mann zog mich von den Leuten weg, sagte, ‹Chömed Sie, chömed Sie›, ich dachte, er wollte mir helfen – da habe ich plötzlich noch eine verpasst gekriegt», so Fehr. Ob von ihm, oder von einem anderen, wisse er nicht.

Später erinnert er sich in seinem Leibblatt „Blick“ so:

Der SVP-Nationalrat aus Eglisau beschreibt noch einmal den Moment des Angriffs: «Ich ging links an denen vorbei, sie standen rechts auf der anderen Strassenseite. Völlig bewegungslos und ohne einen Laut von sich zu geben. Dann schrie auf einmal einer: ‹SVP! SVP-Fehr!› und schon stürzten sie auf mich los.»

Und mit der nötigen Fantasie hat ein „Blick“-Künstler die dramatische Szene in einem Bild festgehalten:

Wo bin ich?

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