Was genau war los?

Januar 25, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich gebe zu: Als ich erstmals hörte, dass der Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr verprügelt worden sei, sass bei mir der Schock tief. Nicht nur, weil ich niemandem Prügel wünsche, sondern weil es auch eine politisch unglaublich dumme Tat war.

Dann dachte ich nach – und hoffte, dass einige Medienschaffende dies ebenfalls tun. Nur: Wir leben in der Welt von „20 Minuten“, „Blick am Abend“ – und so, wie die Auflage dieser Gratisblätter steigt, sinkt die journalistische Qualität der übrigen Medien. Kurzum: Das Motto scheint zu sein, dass man im Seichten nicht ertrinken könne.

Und so hätte mich eigentlich nicht erstaunen müssen, dass kein Journalist, keine Journalistin auf die Idee kam zu Fragen: „Hat sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen, wie Hans Fehr sie erzählt hat?

In der Online-Version des „Tages-Anzeigers“ wurde der Angriff zunächst so beschrieben:

«Sie haben mich zu Boden gerissen und auf mich eingeschlagen. Hätte ich ein Waffe dabei gehabt – ich keine Sekunde gezögert.» Ein paar Frauen aus der Gruppe seien schliesslich eingeschritten.

Tags darauf wurde er interviewt. Wieder im „Tages-Anzeiger“ erklärte er in einem Interview:

Ich habe mein Auto in der Nähe des Strassenverkehrsamts geparkt und wollte zu Fuss bis zum Albisgüetli. Ich habe nicht erwartet, dass das zum Problem werden könnte. Die Polizei war nicht weit, andere Leute gingen auch dort entlang. Ich war schon fast an den Autonomen vorbei, als ich jemanden rufen hörte: «Da kommt der Fehr.» Es gingen drei oder vier Leute völlig unvermittelt auf mich los. Sie haben einfach auf mich eingeschlagen, mit Fäusten und Füssen. Dass ich mich befreien konnte, habe ich nicht zuletzt einigen jungen Frauen zu verdanken, die interveniert haben. Sie gehörten auch zu den Leuten, haben die Schläger aber angeschrien und gesagt, sie sollten aufhören.

In der Online-Version des „Blick“ meinte er:

Wie Fehr in einem Interview mit dem Privatsender «Tele Züri» sagte, war er nichts ahnend mit dem Auto zum Albisgüetli gefahren. Als er ausgestiegen sei, habe jemand gerufen: «Das ist der Fehr» – und schon sei er von mehreren Personen mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert worden.

Und nochmal im „Blick“ lässt er in einer Home-Story das Geschehene so Revue passieren:

Es geschah ausgerechnet auf dem Weg dorthin, wo er sich am wohlsten fühlt: zur jährlichen Tagung seiner Partei im Albisgüetli.
Gegen halb sieben parkt Fehr sein Auto auf Höhe des Strassenverkehrsamts. Schnurstracks marschiert er die Üetlibergstrasse empor. Er ist spät dran. Blocher, Brunner, alle sind schon da. «Plötzlich sehe ich eine Wand schwarz gekleideter Figuren vor mir.»
Fehr fühlt sich dennoch sicher. «Ich habe gedacht, die machen mir doch nichts. Hinten stand ja die Polizei.» Als einer der Linksautonomen den SVP-Hardliner erkennt («Hey, da, de Fehr!»), geht es ganz schnell.
Es ist 18.40 Uhr. «Eine Gruppe Vermummter stürzte auf mich zu», erzählt Hans Fehr. Erst setzt es Faustschläge. Als er zu Boden geht, treten sie ihn mit Springerstiefeln. Auch gegen den Kopf. «Ich dachte nur noch, hoffentlich überlebst du das, hoffentlich bleibst du nicht behindert.»
Fehr liegt am Boden, hält die Arme vors Gesicht. Dann kriegt er mit, dass drei oder vier Demonstrantinnen auf die Schläger zukommen. «Hört auf, fertig!», schreien sie. Sofort lässt die Chaotenhorde, wie auf Befehl, von Fehr ab. Sind sie die Anführerinnen der Schläger?

Aber sein Martyrium war nach der Intervention der Frauen nicht zu Ende, wie er – wieder im „Blick“ – berichtet:

Nachdem sich drei Frauen – aus den linksautonomen Kreisen – schützend vor ihn stellten, liessen die Schläger von ihm ab. «Ein Mann zog mich von den Leuten weg, sagte, ‹Chömed Sie, chömed Sie›, ich dachte, er wollte mir helfen – da habe ich plötzlich noch eine verpasst gekriegt», so Fehr. Ob von ihm, oder von einem anderen, wisse er nicht.

Später erinnert er sich in seinem Leibblatt „Blick“ so:

Der SVP-Nationalrat aus Eglisau beschreibt noch einmal den Moment des Angriffs: «Ich ging links an denen vorbei, sie standen rechts auf der anderen Strassenseite. Völlig bewegungslos und ohne einen Laut von sich zu geben. Dann schrie auf einmal einer: ‹SVP! SVP-Fehr!› und schon stürzten sie auf mich los.»

Und mit der nötigen Fantasie hat ein „Blick“-Künstler die dramatische Szene in einem Bild festgehalten:

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